Page 57 - Nachhaltigkeitsmagazin 2020
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Region und Gesellschaft                           Nachhaltigkeitsmagazin 2020











 nen vor, mit der niemand wirklich etwas anfangen kann. So   In der Betrachtung der Ergebnisse fällt auf, dass die   skalieren. Wir sind aus meiner Sicht an einem entscheidenden   sprechpersonen genannt haben. Das passiert in vergleichba-
 funktioniert Beziehungsarbeit nicht, denn sie erfordert einen   Verbindungen zwischen Personen, Unternehmen und   Wendepunkt: Die Ära der unter  nanzierten Pilotprojekte, die   ren Studien nicht in diesem Ausmaß. Die Kelag hat sich o  en-
 hohen persönlichen Einsatz.   Themen als Netzwerke sichtbar werden.  in der Schublade landen, ist vorbei.   sichtlich in den vergangenen drei Jahren bei neuen, anderen
 Das ist richtig, denn unsere Analysen   ltern nicht nur Perso-  und zusätzlichen Stakeholdergruppen Reputation erarbeitet.
 Die von uns erhobenen Nennungen sind quali  zierte Nen-  nen heraus, sondern auch, welche Inhalte diesen Personen   Die Forderung, etwas zu tun, ist schnell aufgestellt. Aber
 nungen, die die sozialen Statuszuschreibungen durch die   wichtig sind. Wir erkennen eindeutige Themencluster. Der   kann man aus der Studie auch etwas über die tatsächliche   Mit den Analysen wurde eine Basis gescha  en. Was wäre
 Communities wiedergeben. Der entscheidende Vorteil unse-  Kelag-Untersuchung lag ja eine ganz konkrete Fragestellung   Bereitschaft der Stakeholder herauslesen, ein Stück des   nun der sinnvolle nächste Schritt?
 rer Methode liegt darin, jene Handvoll Personen zu kennen,   zugrunde: „Angenommen die Kelag würde einen Klima- und   Weges gemeinsam mit der Kelag zu gehen?  Der nächste Schritt lautet immer: Gruppen bilden. Warum?
 mit denen e   ziente und wirkungsvolle Beziehungsarbeit   Energiedialog starten. Wer sollte an so einer Initiative teilneh-  Man kann aus den Eckdaten der Studie – nämlich an der   Weil sich die Akteure gegenseitig sehen und erkennen, wer
 möglich wird und zielführend ist – das spart Zeit, Energie und   men und welche Themen und Herausforderungen müssten   Beteiligungsquote von 96 % und an der überdurchschnittlich   aller sonst noch an Bord ist, das wertet die Gruppe auf. Kon-
 Ressourcen.   dabei besprochen werden?“   hohen Anzahl an Nennungen – auf jeden Fall eine starke Mo-  kret wäre es einmal die Implementierung eines sogenannten
             tivation der Befragten erkennen. Das hat sich auch in unseren   Situation Rooms, in dem die identi  zierten Schlüsselspieler
 Bleiben wir kurz bei dieser Handvoll Personen, die Sie   Dabei wurde ein Themenbereich sichtbar, der aller Voraus-  qualitativen Interviews laufend bestätigt. Es war spürbar, dass   gemeinsam mit der Kelag Lagebilder erarbeiten.
 auch als „Schlüsselspieler“ bezeichnen. Was zeichnet   sicht ohne die Erhebung nicht in den Fokus gerückt wäre: Wie   es ein massives Bedürfnis an Lösungen für den Wandel gibt.
 diese Menschen aus?  kann die systemische Integration und Interaktion der Ener-  Wenn dann noch ein Unternehmen wie die Kelag vorhanden   Dabei handelt es sich um halbtägige Workshops, die man
 Es geht nicht ausschließlich darum, wie oft jemand genannt   gie-, Mobilitäts- und Informationsströme gelingen? Und zwar   ist, das auf stabile Art und Weise den Transformationspro-  zwischenzeitlich sowohl analog als auch virtuell durchführen
 wird, sondern auch wie zentral einzelne Personen im Netz-  in ihrer konkreten Umsetzung. In diesem Zusammenhang   zess gestaltet, dann will ich dieses Unternehmen als Partner   kann. Anhand dieser Lagebilder werden im Workshop Projek-
 werk sind. Darunter versteht man unter anderem, wie stark   wurde die Frage wesentlich, wie man die Kelag als Pionier   haben.   te de  niert, die man umsetzt. Wir haben dafür spezielle Soft-
 eine Person selbst in einem Netzwerk eingebettet ist und   positionieren kann und wie Kärnten zu jenem Bundesland   warelösungen entwickelt. Diese Methode ist viel günstiger,
 über welche Integrationsfähigkeit sie verfügt. Dann sehen wir   wird, in dem diese sogenannten „hybriden Netze“ Wirklichkeit   Ebenso wird der Kelag die Fähigkeit zur Umsetzung zuge-  e   zienter und e  ektiver als jede Tagung.   >|
 uns an, welche Personen von unterschiedlichen Stakeholder-  werden. Das wurde von den Stakeholdern aufgebracht und ist   schrieben, allerdings immer in Verbindung mit dem Umfeld.
 gruppen genannt werden, weil man daraus schließen kann,   ein zentrales Ergebnis der Studie.  Für Alleingänge sind die Herausforderungen zu groß – es
 wie stark jemand zwischen unterschiedlichen Stakeholder-  braucht die Skalengrößen und den politischen Hebel, also die
 gruppen als Makler fungieren kann. Schließlich tritt als dritte   Kann man schlussfolgern, dass es mehr Veranstaltungen   regulatorische und normative Einbettung der Umgestaltung.   Eckdaten der Studie:
 Dimension dann noch die Rollenzuschreibung dazu – also   zu den Themenfeldern braucht, um das Bewusstsein für
 ob jemand als Entscheider, Marktkenner, Technologieexperte   die drängenden Fragen zu schärfen?  Unsere Gesellschaft verändert sich dynamisch. Wie lange   123   Personen wurden kontaktiert
 oder Multiplikator wahrgenommen wird.  Nein, klassische Veranstaltungen gibt es im Über  uss, der  sind diese Stakeholderanalysen aussagekräftig?  115   Interviews wurden geführt
 Bedarf ist gesättigt und dafür fehlt die Zeit. Wir verfolgen   Die Haltbarkeit unserer Studien liegt in einem mittleren Zeit-  96 %  Beteiligungsquote
 Daraus ergibt sich ein Schlüsselspielerindex, der die wesent-  einen Ansatz des Stakeholderengagements, bei dem sich die   horizont, das bedeutet bei drei bis fünf Jahren. Status und   332   Institutionen im Netzwerk
 lichen Aspekte für die idealen Partner der Kelag beschreibt.   Akteure als Weggefährten begreifen. Es geht um die Entwick-  Anerkennung erhält man nicht von heute auf morgen, solche   467   Personen im Netzwerk
 Diese Personen sind in der eigenen Community äußerst an-  lung von gemeinsamen Lagebildern, dem Erkennen ge-  Zuschreibungen werden erarbeitet und brauchen soziale Zeit.   6,9     durchschnittlich nominierte
 erkannt, genießen hohe Reputation in anderen Communities   meinsamer Herausforderungen – von der Digitalisierung über   Was die Entscheidungsmacht anlangt, haben natürlich Wah-  Personen/Organisationen
 und verfügen über Kompetenzen in unterschiedlichen Rollen.   den Klimawandel bis hin zu COVID-19 – und das Erarbeiten   len eine stärkere Auswirkung. In den Business-to-Business-
 Diese Personen haben den höchsten In  uencere  ekt und   von Lösungen in Projekten und darum, diese konsequent zu   bzw. Business-to-Government-Bereichen ist die Kontinuität
 strahlen weit über die eigene Gruppe aus.   ausgeprägter.

             Drei Jahre ist aber auch die Zeit, die es aller Erfahrung nach
             braucht, um Beziehungen aufzubauen und um Positionen im
 „BEZIEHUNGSARBEIT   Netzwerk substanziell zu verändern.

 ERFORDERT   Wenn man die vergangenen drei Jahre hernimmt,
             zwischen der ersten im Jahr 2016 und der aktuellen
 EINEN HOHEN  Kelag-Analyse im Jahr 2019, was hat sich da signi  kant

 PERSÖNLICHEN  verändert?
             Interessanterweise ist die Kelag stärker in das Zentrum des
 EINSATZ.“   Netzwerks gerückt. Das ergab sich daraus, dass die Befragten
             überdurchschnittlich oft Kelag-Mitarbeiter als wichtige An-












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