Page 55 - Nachhaltigkeitsmagazin 2020
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Region und Gesellschaft                           Nachhaltigkeitsmagazin 2020










 Stakeholder-                                                       „UNSER MODELL








 management                                                       HOHE ROBUSTHEIT
                                                                         WEIST EINE


                                                                   AUF, UM  HERAUS

                                                                          ZUFINDEN,
 neu gedacht                                                       WER WICHTIG IST


                                                                      UND WARUM.“






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                Harald Katzmair sieht Stakeholdermanagement als Beziehungsarbeit.



 Um ihr Stakeholdermanagement zu   takeholder sind per De  nition alle Personen,   Expertise, Erfahrung oder Entscheidungsmacht für ein Unter-  Zum dritten werden die „blinden Flecken“ sichtbar. Selbstver-
 optimieren, hat die Kelag zum zweiten   S  Gruppen oder Institutionen, die von den Aktivitäten   nehmen oder eine Institution relevant ist. An diese genannten   ständlich haben die Unternehmen eine Ahnung davon, wer
 Mal nach 2016 ihr Stakeholdernetzwerk   eines Unternehmens direkt oder indirekt betrof-  Personen treten wir in weiterer Folge heran und entwickeln so   ihre Stakeholder sind. Durch die Nennung von relevanten
                                                              Personen und Organisationen durch die Community können
 fen sind oder die irgendein Interesse an diesen
             einen Schneeballe  ekt.
 vom Sozialforschungsinstitut FASresearch   Aktivitäten haben. Die Beziehung zu den Stakeholdern ist ein   wir die Einschätzungen mit der Realität abgleichen.
 analysieren lassen. Harald Katzmair,   kritischer Ein  ussfaktor für den Erfolg eines Unternehmens.     Worin liegen die Vorteile?
 Geschäftsführer und wissenschaftlicher  Die Studienergebnisse kurzgefasst: Für die Stakeholder spielt   Die Vorteile sehen wir in der Verknüpfung von drei Bereichen:   Kommen Sie dadurch der Stakeholderwirklichkeit näher?
 Leiter von FASresearch, erzählt im Interview  die Kelag eine noch zentralere Rolle als in der ersten Erhe-  Zunächst erarbeiten wir im Vorfeld mit Schlüsselpersonen   Unser Modell weist gemeinsam mit der jahrelangen Er-
 über die dabei angewandte Forschungs-  bung, vor allem wenn es um die Ausgestaltung der energie-  im Unternehmen, welche Stakeholder wichtig sind und mit   fahrung eine hohe Robustheit auf, um herauszu  nden, wer
                                                              wichtig ist und warum. Sobald wir die Listen der Top 10
             diesen beginnen wir unsere Analyse. Wir interviewen die
 politischen Rahmenbedingungen, den Einsatz erneuerbarer
 methode, die nicht nur Einsichten über   Energieträger und die Energiee   zienz geht. Vor allem aber   Stakeholder zwischen 15 und 45 Minuten und fragen dabei   Stakeholdern vorlegen, gibt es fünf bis sechs Nennungen, die
 relevante Personen und Institutionen   wird die tatsächliche Integration von Energie-, Mobilitäts- und   auch ab, wer aus Sicht der Befragten in dem Themenfeld eine   erwartet wurden. Dann gibt es meistens drei Personen, die
 im Umfeld der Kelag, sondern auch über   Informationsströmen in hybriden Netzen als entscheidende   Rolle spielt und eingebunden werden sollte.  man zwar auf dem Radar hatte, aber eher nicht so wesentlich
 die wesentlichen Themenstellungen  Aufgabenstellung der Zukunft wahrgenommen.  eingeschätzt hat. Und schließlich tauchen ein bis zwei Namen
 erö  net.   Schon dieser Zugang selbst bringt ein hohes Engagement   auf, die alle überraschen – das sind die blinden Flecken, von
 Herr Dr. Katzmair, wodurch unterscheidet sich der Zugang   der Stakeholder mit sich. Stakeholdermanagement ist Be-  denen ich gerade gesprochen habe.
 der FAS-Stakeholderanalyse von anderen „gängigen“   ziehungsarbeit und die Form der Datenerhebung stellt bereits
 Modellen der Stakeholdererfassung?  eine Form der Stakeholderkommunikation dar. Es entsteht   Liegen am Ende der Befragung lückenlose
 Wir gehen nicht von einem vorgefassten Bild der Wichtig-  dadurch eine Menge an Beziehungskapital. Wir wissen aus un-  Stakeholderlisten vor?
 keit aus, sondern wenden einen Bottom-Up-Ansatz an. Wir   serer Erfahrung, dass die Befragten im Umfeld der Erhebung   Nein, wenn man das will, dann wäre das durch ein einfaches
 befragen die Communities und die Menschen direkt: „Wer ist   untereinander kommunizieren, weil sie sich ja gegenseitig   Abschreiben von Datenbanken zu erledigen. Dieser Zugang
 Ihrer Meinung nach jemand, mit dem die Kelag reden soll?“   empfehlen bzw. empfohlen werden. Die Methode ist also   bringt allerdings niemandem etwas und ist extrem inne   -
 Wir wollen von den Befragten wissen, wer aufgrund von   SDG 8  bereits ein massives Investment in die Beziehung.  zient. Dadurch liegt nur eine Liste von hunderten Perso- –>


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