Page 31 - Nachhaltigkeitsmagazin 2020
P. 31

Umwelt und Klima                                  Nachhaltigkeitsmagazin 2020



 Größtes Sparpotenzial im Verkehr
 Als zweites Szenario wurde deshalb ein Klimaschutzszena-
 „DIE AUFGABE IST  rio erarbeitet, in dessen Rahmen die Ziele bis 2030 und in
 weiterer Folge bis 2050 erreichbar wären. Dafür müsste der
 HERAUSFORDERND,   CO 2-Ausstoß vor allem im Verkehr – derzeit mit 36 Prozent der
 ABER KÄRNTEN KANN   größte Verursacher für Treibhausgasemissionen – deutlich   Stromaufbringung
 gesenkt werden. Die Studienautoren betonen, dass dies nur
 SIE BEWÄLTIGEN.“  in einer Kombination aus vermehrter Elektromobilität, dem   bis 2030
 Umstieg auf ö  entliche Verkehrsmittel sowie der Verlagerung
 Manfred Freitag  des Verkehrs auf die Schiene, vor allem aber durch eine deut-  10
 Kelag-Vorstandssprecher  liche Verringerung von Fahrten machbar ist.
                 9
 Die Kärntner Industrieunternehmen könnten den zweithöchs-  8       Ein  uss je Sektor
 ten Anteil bei den Einsparungen erzielen. Dies vor allem durch      Verkehr    0,7 TWh
 lysiert, Maßnahmen identi  ziert und deren Auswirkungen in   die verstärkte Nutzung von Strom und biogenen Energie-  7  Industrie   0,6 TWh
                                                                     Haushalte  0,1 TWh
                                                                         *
 der Analyse entsprechend berücksichtigt“, so Traupmann.   trägern, unterstützt durch E   zienzverbesserungen. Auch in   6  Energie    0,2 TWh
                                                                          **
 der Landwirtschaft und im Gebäudesektor – hier vor allem            Importe    1,0 TWh
 Die Wirkung derzeitiger Maßnahmen  mit dem Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas hin zu umweltfreund-  TWh/a  5
 Für die Untersuchung wurden zwei Szenarien entwickelt.  lichen Heizungsanlagen – sind deutliche CO 2-Einsparungen   4
 Das sogenannte Referenzszenario bildet all jene Maßnahmen   möglich.     Stromimporte
 ab, die bereits in den vergangenen Jahren beschlossen bzw.   3           Solarenergie
 umgesetzt wurden – unter anderem den „Energiemasterplan   Mehr grüne Energie notwendig  2  Windenergie
 Kärnten“, den Entwurf der „Klimastrategie Kärnten“ und den   All das ist allerdings nur dann erreichbar, wenn es in den
 „Mobilitäts Masterplan Kärnten 2035“. Diese Pakete bewirken,   kommenden zehn Jahren gelingt, den Anteil an erneuerbaren   1  Wasserkraft
 dass die Emissionen bis 2030 auf ca. 4,2 Millionen Tonnen  Energien um 2,6 TWh auf einen Gesamtwert von 7,7 TWh   0  Thermische
 CO 2eq zurückgehen. „Mit dieser Emissionsentwicklung   (Ausgangslage Wasserkraft: normalisierte Stromerzeugung)   2020  2030  Kraftwerke
 werden die auf das Bundesland Kärnten umgelegten euro-  zu steigern. Damit würden aber auch (teure) Stromimporte
 päischen und österreichischen Ziele von max. 3,4 Millionen   nachhaltig wegfallen. Nach den Berechnungen der Energie-  Energie*: Eigenbedarf des Sektors Energie und Deckung von Verlusten (z.B. Übertragungsverluste usw.)
 eq deutlich verfehlt“, heißt es im Expertenpapier.   experten der Österreichischen Energieagentur können die
 Tonnen CO 2    Importe**:  Ersatz von Importen; dies wird u.a. basierend auf dem Bruttoendenergieverbrauch
                    für Strom und der normalisierten Wasserkrafterzeugung berechnet.
             Quelle: Österreichische Energieagentur (2020)

 Historisch
 Referenzszenario
 Klimaschutzszenario  Wasserkraft 360 GWh und die Windkraft weitere 500 GWh   Große Chance für die Wirtschaft
 EU Klima- und   beitragen. Der Rest der zusätzlich erforderlichen Erzeugung   AEA-Geschäftsführer Peter Traupmann verweist auch noch
                                                              auf einen wichtigen Aspekt, der oftmals zu wenig Berücksich-
             kann durch den Ausbau von gebäudeintegrierten und frei-
 Energiepaket Ziel   stehenden Photovoltaik-Anlagen (in Summe 1.700 GWh)   tigung   ndet: „Der Umbau unseres Energiesystems bietet vie-
 2030        gedeckt werden.                                  le Chancen. Dabei geht es keinesfalls nur um grüne Technolo-
                                                              gien, bei denen heimische Unternehmen gut aufgestellt sind.
 6           Hohe Zustimmung zur Energiewende                 Auch die Tourismusbranche kann pro  tieren, sich nachhaltig
             „Die Aufgabe ist herausfordernd, aber Kärnten kann sie be-  und grün positionieren und damit voll im Trend liegen.“
 5           wältigen. Dafür ist es allerdings notwendig, rasch die ersten   Dennoch regt sich unabhängig vom Bundesland oft schon
 Mio. t CO 2 -Äquivalent   3  gesellschaftlicher Konsens darüber, dass es weitreichende   ideen auftauchen – von konkreten Realisierungen ist da
             Schritte zu setzen“, erklärt Manfred Freitag. Österreich hat
                                                              dann Widerstand auf regionaler Ebene, sobald erste Projekt-
             dafür gute Voraussetzungen und es herrscht weitgehender
 4
                                                              meistens noch nichts zu sehen. Dabei kommen neben den
             Maßnahmen braucht, um die Folgen der Klimakrise zu
             bewältigen. Der Ausstieg aus Erdöl, Kohle und Gas und der
                                                              Natur- und Landschaftsschutzargumenten auch energiewirt-
                                                              schaftliche Aussagen ins Spiel, deren Grundlagen manchmal
             Umstieg auf erneuerbare Energieträger erfreuen sich hoher
                                                              unklar erscheinen.
             Zustimmung.
 2
             Das bestätigt unter anderem auch eine aktuelle Unter-
 1
                                                              Energien in Kärnten nicht notwendig sei, bestimmte Erzeu-
             suchung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, der
             Wirtschaftsuniversität Wien, der Unternehmensberatung   Sehr häu  g wird behauptet, dass ein Ausbau erneuerbarer
                                                              gungsformen in Kärnten kaum oder gar nicht umsetzbar
             Deloitte Österreich und des Energieversorgers Wien Energie,   wären oder Energiee   zienz allein ausreiche, um den zukünfti-
 2000  2005  2010  2015  2020  2025  2030  die im Mai 2020 verö  entlicht wurde. Darin sprechen sich   gen Bedarf an grüner Energie zu decken. Die Studie „Kärnten
             77 Prozent der Befragten für Energie aus Wasser, Sonne und   2030 – Der Weg in eine klimaneutrale Energiezukunft“ leistet
             Wind aus. In Kärnten ist die Unterstützung für die Energie-  auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag zu einer sachlichen
 Kärntner Treibhausgasemissionen mit Entwicklung nach Referenz- und Klimaschutzszenario bis 2030;
 Quelle: Österreichische Energieagentur (2020): Kärnten 2030 – Der Weg in eine klimaneutrale Energiezukunft, S. V  wende österreichweit am stärksten.  Debatte.   >|
 30                                                        31
   26   27   28   29   30   31   32   33   34   35   36