Page 28 - Nachhaltigkeitsmagazin 2020
P. 28

Umwelt und Klima                                                                                                    Nachhaltigkeitsmagazin 2020


                                                                                                                                    Klimaneutrales



                                           „WIR SETZEN AUF
                                          WÄRME, DIE NACH

                                       WÄCHST, UND GEBEN                                                                            Kärnten:
                                        DARAUF ACHT, DASS

                                           DIE EINGESETZTE
                                         BIOMASSE AUS DER                                                                           Es gibt noch

                                           REGION KOMMT.“
                                                                                                                                    viel zu tun.
                                                        Adolf Melcher
                                                    Geschäftsführer der KEW





                                                                                                                                             |
             Regionalität für eine e   ziente Energieversorgung
             Holz ist ein nachwachsendes Naturprodukt und steht im
             Gegensatz zu fossilen Energieträgern wie beispielsweise Öl                                                              Im Auftrag der Kelag erforschte die Österreichische Energieagentur (AEA), was zu
             und Kohle dauerhaft zur Verfügung. Der Einsatz regional                                                                 tun ist, um Kärnten auf den Pfad der Klimaneutralität zu bringen. Die Studie „Kärn-
             verfügbarer und nachwachsender Rohsto  e zum Heizen
             und zur Warmwasserbereitung bietet nicht nur den Vor-                                                                   ten 2030 – Der Weg in eine klimaneutrale Energiezukunft“ zeigt, dass das südlichste
             teil hoher Versorgungssicherheit, sondern schont zugleich                                                               Bundesland auf einem sehr guten Fundament aufbauen kann. Damit die Klimaziele
             auch das Klima. „Wir setzen auf Wärme, die nachwächst, und                                                              erreicht werden können, ist trotzdem noch ein gutes Stück Arbeit zu verrichten.
             geben darauf acht, dass die eingesetzte Biomasse aus der
             Region kommt. Die energetische Verwendung von Holz ist
             ein wichtiges Element, um die Klimaschutzziele zu erreichen,
             die regionale Wertschöpfung zu erhöhen und somit Arbeits-                                                                      unächst zu den Fakten: Im Jahr 2017 wurden in   sorgten dafür, dass alle erzeugungs- und strategierelevanten
             plätze zu sichern“, erklärt Adolf Melcher, Geschäftsführer                                                             Z       Kärnten bereits 53 Prozent des energetischen End-  Bereiche des Unternehmens integriert wurden. „Die Kelag hat
             der KEW. „Wer auf erneuerbare Energien setzt, ist Teil einer                                                                   verbrauchs mit erneuerbaren Energieträgern und   mit der Erstellung dieser Studie sicher einen gewissen Vor-
             sicheren, unabhängigen und sauberen Zukunft. Die KELAG                                                                         somit ohne Treibhausgasemissionen gedeckt. Im   bildcharakter. Es ist für Österreich nicht alltäglich, dass sich ein
             Energie & Wärme GmbH baut moderne Heizwerke und setzt                                                                   österreichischen und globalen Vergleich ist das überdurch-  einzelner Energieversorger ganzheitlich mit der Erreichung
             auf e   ziente Technologien, um die besten Nutzungsgrade zu                                                             schnittlich viel. Dennoch bedeutet die derzeit verbleibende   von Energie- und Klimazielen für ein ganzes Bundesland
             gewährleisten.“                                                                                                         fossile Verbrauchshälfte jährlich 4,6 bis 4,8 Millionen Tonnen   beschäftigt“, zeigt sich Peter Traupmann, Geschäftsführer der
                                                                                                                                     CO 2eq. Für das ambitionierte Ziel, Kärnten bis 2050 klimaneu-  AEA, beeindruckt.
             Energieholzlagerplatz der besonderen Art         Durch den Einsatz regional verfügbarer und nachwachsender Biomasse     tral zu machen, müsste dieser Wert in den kommenden zehn
             In Feistritz an der Drau be  ndet sich der Energieholzlagerplatz   leistet die KEW einen Beitrag zum Klimaschutz.       Jahren auf 3,4 Millionen Tonnen CO 2eq sinken und danach   Das objektive Fundament der Studie bildeten o   zielle, histo-
             der KEW. Hier werden bis zu 22.000 Kubikmeter Holz gelagert,                                                            schrittweise weiterreduziert werden. Die entscheidende Frage   rische, energiestatistische Daten. „Es wurden ein knappes
             um die nachhaltige Versorgung der Heizwerke Obertauern,                                                                 lautet: Wie ist das machbar?                    Jahr lang mit wissenschaftlichen Methoden Trends ana-  –>
             Spittal an der Drau und Villach sicherzustellen. Pro Jahr
             werden durchschnittlich rund 500 Lkw-Fuhren mit Holz aus                                                                „Für die notwendige sachliche Diskussion braucht es vor
             einem Umkreis von maximal 50 Kilometern angeliefert. Das                                                                allem belastbare Fakten, die alle Stakeholder akzeptieren und
             gelagerte Holz wird vor Ort gehackt und das Hackgut je nach                                                             außer Streit stellen. Darum wollten wir uns einen Überblick   „DIE KELAG HAT MIT
             Bedarf direkt zu den Heizwerken transportiert. Aus einem                                                                über die Faktenlage verscha  en“, erläutert Kelag-Vorstands-  DER ERSTELLUNG
             Kubikmeter Holz können rund 2,8 Schüttraummeter Hack-                                                                   sprecher Manfred Freitag den Hintergrund des Forschungs-
             schnitzel hergestellt werden.                                                                                           vorhabens. „Wir wollten wissen, welche langfristigen Maß-  DIESER STUDIE
                                                                Weitere Informationen                                                nahmen es in den unterschiedlichsten Bereichen Kärntens
             „Wir nutzen regionale Ressourcen und können dadurch von                                                                 braucht und welche Schritte dafür in den nächsten zehn   SICHER EINEN
             stabilen Marktsituationen ausgehen. Die Durchforstungsmaß-    Die KEW betreibt insgesamt 80 Fernwärmenetze,             Jahren notwendig sind.“                           GEWISSEN VORBILD
             nahmen der Waldbesitzer tragen zudem zur Verbesserung der   30 davon werden ausschließlich auf Basis von Bio-
             Stabilität und Vitalität der heimischen Wälder bei“, sagt Mel-  masse betrieben. Im Jahr 2019 betrug die Gesamt-        Kelag-Projekt mit Vorbildcharakter                       CHARAKTER.“
             cher. „Durch den Lagerplatz können wir außerdem   exibel,   wärmeerzeugung 2.096 GWh. Der Anteil von Biomasse           Aus diesem Grund initiierte die Kelag gemeinsam mit der
             schnell und angemessen auf Schwankungen im Holzbedarf   und Abwärme liegt bei ca. 67 Prozent.                     SDG 7, 13  AEA im Mai 2019 das Projekt „Kärnten 2030“. Konzernintern   Peter Traupmann
             und Holzangebot reagieren.“                 >|                                                                          koordinierten Beate Sternig und Rudolf Plasil das Projekt und   Geschäftsführer der AEA


                                                           28                                                                                                                     29
   23   24   25   26   27   28   29   30   31   32   33