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Aufgrund von Änderungen in der Handelsstrategie mit Anfang 2019 ist es zu einer vermehrten
           Bilanzierung von langfristigen Strom- und Gaslieferkontrakten als Derivate nach IFRS 9 gekom-
           men. Da diese Kontrakte grundsätzlich im Rahmen der Risikomanagementstrategie der KELAG
           zur Absicherung von zukünftigen Beschaffungen und Verkäufen dienen, wurde ein großer Teil
           hieraus als Sicherungsinstrumente im Rahmen von Sicherungsbeziehungen designiert. Diejeni-
           gen Kontrakte, welche nicht im Rahmen von Hedge Accounting designiert wurden, werden ent-
           sprechend den normalen Regelungen zu Derivaten mit dem Fair Value über die GuV bewertet.

           Hedge Accounting kommt im KELAG-Konzern im Rahmen des Verkaufs der Eigenerzeugung von
           Strom sowie im Rahmen der Beschaffung von Strom und Gas für Kunden zur Anwendung. Hierbei
           werden Terminkontrakte im Strom- und Gas-Bereich eingesetzt, um den Preis für künftige Liefe-
           rungen langfristig abzusichern. Darüber hinaus werden mittels eines Zinsswaps die künftigen
           Zahlungen variabel verzinster Finanzverbindlichkeiten durch einen Tausch von variablen Zinszah-
           lungen auf fixe Zinszahlungen abgesichert. In beiden Fällen hat KELAG abgeschlossene Derivate
           als Sicherungsinstrumente zur Absicherung von Zahlungsströmen aus künftig erwarteten Trans-
           aktionen designiert (sogenannte Cashflow Hedges).


           Ziel der Absicherungen mit den Energieterminkontrakten ist es, die aus Marktpreisschwankungen
           resultierende Cashflow-Unsicherheit zu verringern. Hierbei erfolgt grundsätzlich ein sukzessiver
           Abschluss von Forwards, um den benötigten Bedarf im Zeitablauf durch Sicherungsinstrumente
           besser abdecken zu können sowie die Gefahr einer überhöhten Absicherung zu vermeiden. Hier-
           bei hängen der Zeitpunkt und die Höhe der Absicherung künftiger Lieferungen u.a. von den je-
           weiligen aktuellen Preisentwicklungen ab. Nachdem die relevanten Vertragsbedingungen (wie
           Laufzeit, Volumen, Preisbasis etc.) der abgeschlossenen Strom- und Gasterminkontrakte mit jenen
           der Grundgeschäfte in der Regel übereinstimmen, wird im Konzern eine qualitative Effektivitäts-
           messung durchgeführt. Hierbei kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass die Wer-
           tänderung der Sicherungsinstrumente die Veränderungen aus den zukünftigen Zahlungsströ-
           men nahezu zur Gänze ausgleicht.

           Aufgrund der höheren Liquidität werden österreichische Energielieferungen in der Regel mit For-
           wards europäischer Leitmärkte abgesichert. Sollten österreichische Forwards eingesetzt werden,
           so decken diese die Risiken aus dem Grundgeschäft zur Gänze ab. Sollten Forwards europäischer
           Leitmärkte eingesetzt werden, so decken diese die Risiken aus dem Grundgeschäft nur teilweise
           ab. Daher wird in diesem Fall das Risiko aus Änderungen der Zahlungsströme betreffend die Risi-
           kokomponente des Preises des jeweiligen Leitmarktes, welche dem österreichischen Preis inhä-
           rent ist, im Rahmen von Hedge Accounting abgesichert. Da sich der österreichische Preis aus dem
           Preis liquider europäischer Leitmärkte zuzüglich grenzüberschreitender Spreads zusammensetzt,
           besteht ein enger Zusammenhang zwischen den Preisen der jeweiligen Leitmärkte und den ös-
           terreichischen Preisen. Die wesentlichen Konditionen zwischen den Sicherungsinstrumenten und
           den geplanten Zahlungsströmen betreffend die Risikokomponente stimmen auch in diesem Fall
           überein.
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